Na und
 
Nötten-Brüder-Wallstr. 22
Tel.: 02921/13007 (später: Mambo)

Auch die reiferen Jahrgänge sollen in unserem Führer nicht zu kurz kommen, deshalb haben wir auch das sagenumwobene "Na und" in unsere Besprechung aufgenommen und ihm einen Besuch abgestattet.

Unser Antlitz verdunkelte sich allerdings zunächst ob der Tatsache, dass dem unbedarften Gast ein Eintrittspreis von fünf Mark abverlangt wird. Aber von derlei Unbill lassen sich erfahrene Kritiker natürlich nicht abschrecken; wir zahlten. Nachdem wir nach Entrichtung dieses Obolusses dann auch eingelassen wurden, bereuten wir auch schon den Entschluss, denn was wir dort sahen, war jenseits jedweder menschlichen Vorstellungskraft und hätte selbst von Hieronymus Bosch nicht schlimmer und abschreckender dargestellt werden können. Obschon man bei dem Schummerlicht die Gäste so gut erkennen konnte wie einen fliegenden Golfball bei der Fernsehübertragung der British Open, so vermochten wir doch zu registrieren, was hier abging:

Ibizagebräunte und sonnenbankgegerbte Rotsakko-Primaten um die Vierzig, die Erinnerungen an Gameshow-Moderatoren bei RTL Minus oder Sat 1 à la "Glücksrad" und "Geh aufs Ganze!" weckten, hatten ihre Hände in und um Frauen gelegt, gegen die sich das "Mann-O-Mann" Publikum noch zurückhaltend und gesittet gebärdet und die angezogen waren wie die Handbremsen rollender Autos. Kreischen, Kieksen und Glucksen allenthalben, zotige Schlüpfrigkeiten aus den Mündern vermeintlich anständiger Damen und Herren mittleren bis gesetzten Alters trieben uns die Schamesröte ins Gesicht. Das güldene Geschmeide, mit dem sich die weiblichen Gäste behängt hatten, glitzerte um die Wette mit den Rolex-Imitationen, Goldkettchen und Panzerketten-Armbändern, die die männlichen Gäste schmückten. Um ihrem dauer-gewellten Stufenschnitt den richtigen Pep zu geben, schütteten viele Frauen Glitzerpulver in rauen Mengen in ihre Frisur und auch die Männer versuchten durch Strähnchen ihrem schütteren Haupthaar den jugendlichen Pfiff zu geben. (Leider vergeblich!).

Mit unserem Erscheinen schienen wir das Durchschnittsalter um Jahrzehnte gesenkt zu haben. Ja, einige Damen waren sogar derart fortgeschrittenen Alters, dass man meinen könnte, sie gingen anstatt ins Kosmetikstudio zum Präparator, um ihre faltige Hülle zu konservieren.

Aber wahrlich, ich sage Euch, gegen die unsägliche Musik, die uns den Abend dort vergällte, waren die Gäste noch harmlos. Tony Christie, Tommy Steiner, G.G. Anderson, die Paldauer und die Flippers sorgten zwar für Hochstimmung unter den Gästen, allerdings auch für Magenbeschwerden und Brechreiz bei uns und man hätte zu dem Schluß kommen können, H.R. Giger (Das ist übrigens der Typ, der für die Alien-Figur verantwortlich zeichnet. Apropos: wie wird eigentlich "Alien³" ausgesprochen? Kubik-Alien?) haben sich hier seine Inspiration für das Necronomicon geholt. Aber sei’s drum, man ist ja tolerant. Trotzdem fragt man sich manchmal, welch’ seltsame Vorstellung manche Menschen doch von Vergnügen haben!?

Nichtsdestowenigertrotz muß man dieser Spelunke allerdings zugute halten, dass sie über ein reichhaltiges Getränkeangebot verfügt, was den Aufenthalt wenn auch nicht angenehm, so doch zumindest einigermaßen erträglich macht.

Atmosphäre:  Beach Party auf Sylt
Gäste: Solarien-Humanoiden im peinlichen Formationstänzer-Outfit, Jazztanzgruppe Wadersloh
Musik: unsäglicher Deutscher Schlager
Einrichtung: Partykeller im deutschen Bungalow
Toilette: O.K.
Preise:  unangemessen hoch
Bewertung: 
 
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